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Karin Pieth


 

Die Blumenwiese von Monet
 

Lange und still betrachte ich das Bild von Monet.

Es ist schön.

Es ist eine Blumenwiese. Der Klatschmohn blüht und zwei Frauen sind zu sehen. Die eine sitzt im Gras und die andere wandelt umher. Sie hat einen Schirm aus Seide bei sich, der sie vor der Sonne schützen soll.

Weiße Wölkchen ziehen am Himmel ihre Bahn.

Ich stehe davor und schaue es mir an. Eine leichte Wehmut ergreift mich und nimmt mich mit auf diese Wiese. Ich spüre den zarten Wind, rieche den Duft der Blumen und höre das Zwitschern der Vögel.

Ich bin wieder zuhause. Befinde mich jetzt in einer Zeit, in der diese Wiese meine Zuflucht war. Ja, so war es. Immer wenn ich nicht weiter wusste verkroch ich mich in einer Blumenwiese.

Es ist als wäre die Uhr stehen geblieben.

Ich sehe mich im Gras liegen. Die Augen sind geschlossen. Sanft streichelt der Wind meine Haut und die Blumen bewegen sich dazu. Ich höre Bienen und Hummeln summen und so mancher Schmetterling benutzt mich als Landeplatz. Die Vögel singen ihr schönstes Lied und nehmen meine Traurigkeit mit. Hier bin ich frei. Hier ist die Stille, die ich suche. Hier ist niemand.

Die Ruhe tut gut.

In der Ferne höre ich die Kírchturmuhr schlagen

Hin und wieder piepst ein Mäuschen im Gras und freut sich an den Samenkörner, die es auf dem Boden findet. Mein Körper entspannt sich und ich schaue den weißen Wolken nach und entdecke in ihnen tausende Formen. Eine Form jagt die andere. Manchmal sind es Gesichter, manchmal sind es Tiere, die ich zu erkennen glaube. Sie kommen und gehen und erinnern mich so an mein Auf und Ab im Leben.

Die Sonne wärmt mich.

Ich vergesse die Zeit.

Die Schatten der Bäume, die am Wiesenrand stehen werden länger. Es neigt der Tag sich dem Abend zu. Langsam wird es kühler und auch die Vögel zwitschern nicht mehr so stark. Sie bereiten sich auf die Nacht vor. Ziehen ihre letzten Kreise um ihren Schlafbaum zu finden und lassen sich erschöpft und müde auf ihm nieder. Noch einmal erkämpft sich jeder mit lautem Gezwitscher seinen Lieblingsplatz und dann wird es langsam ruhiger.

Auch die Blüten des Klatschmohns schließen sich zur Nacht und die Hummeln haben das Sammeln von Nektar eingestellt. Vereinzelt summt noch eine überfleißige Biene von Blüte zu Blüte, aber auch sie verschwindet bald in ihrem Stock.

Die Nacht kann kommen.

Wieder schlägt die Kirchturmuhr.

Diesmal holt sie mich aus meinen Träumen.

„Ich muß nach Hause“, denke ich, doch plötzlich merke ich, daß es nicht die Kirchturmuhr war, die mich aus meinen Träumen riss sondern eine Klingel.

Ich komme langsam zu mir, betrachte das Bild ein letztes Mal und gehe weiter.

 







 

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