Die Blumenwiese von Monet
Lange und still
betrachte ich das Bild von Monet.
Es ist schön.
Es ist eine
Blumenwiese. Der Klatschmohn blüht und zwei Frauen sind zu sehen. Die
eine sitzt im Gras und die andere wandelt umher. Sie hat einen Schirm
aus Seide bei sich, der sie vor der Sonne schützen soll.
Weiße Wölkchen
ziehen am Himmel ihre Bahn.
Ich stehe davor und
schaue es mir an. Eine leichte Wehmut ergreift mich und nimmt mich mit
auf diese Wiese. Ich spüre den zarten Wind, rieche den Duft der Blumen
und höre das Zwitschern der Vögel.
Ich bin wieder
zuhause. Befinde mich jetzt in einer Zeit, in der diese Wiese meine
Zuflucht war. Ja, so war es. Immer wenn ich nicht weiter wusste verkroch
ich mich in einer Blumenwiese.
Es ist als wäre die
Uhr stehen geblieben.
Ich sehe mich im
Gras liegen. Die Augen sind geschlossen. Sanft streichelt der Wind meine
Haut und die Blumen bewegen sich dazu. Ich höre Bienen und Hummeln
summen und so mancher Schmetterling benutzt mich als Landeplatz. Die
Vögel singen ihr schönstes Lied und nehmen meine Traurigkeit mit. Hier
bin ich frei. Hier ist die Stille, die ich suche. Hier ist niemand.
Die Ruhe tut gut.
In der Ferne höre
ich die Kírchturmuhr schlagen
Hin und wieder
piepst ein Mäuschen im Gras und freut sich an den Samenkörner, die es
auf dem Boden findet. Mein Körper entspannt sich und ich schaue den
weißen Wolken nach und entdecke in ihnen tausende Formen. Eine Form jagt
die andere. Manchmal sind es Gesichter, manchmal sind es Tiere, die ich
zu erkennen glaube. Sie kommen und gehen und erinnern mich so an mein
Auf und Ab im Leben.
Die Sonne wärmt
mich.
Ich vergesse die
Zeit.
Die Schatten der
Bäume, die am Wiesenrand stehen werden länger. Es neigt der Tag sich dem
Abend zu. Langsam wird es kühler und auch die Vögel zwitschern nicht
mehr so stark. Sie bereiten sich auf die Nacht vor. Ziehen ihre letzten
Kreise um ihren Schlafbaum zu finden und lassen sich erschöpft und müde
auf ihm nieder. Noch einmal erkämpft sich jeder mit lautem Gezwitscher
seinen Lieblingsplatz und dann wird es langsam ruhiger.
Auch die Blüten des
Klatschmohns schließen sich zur Nacht und die Hummeln haben das Sammeln
von Nektar eingestellt. Vereinzelt summt noch eine überfleißige Biene
von Blüte zu Blüte, aber auch sie verschwindet bald in ihrem Stock.
Die Nacht kann
kommen.
Wieder schlägt die
Kirchturmuhr.
Diesmal holt sie
mich aus meinen Träumen.
„Ich muß nach
Hause“, denke ich, doch plötzlich merke ich, daß es nicht die
Kirchturmuhr war, die mich aus meinen Träumen riss sondern eine Klingel.
Ich komme langsam
zu mir, betrachte das Bild ein letztes Mal und gehe weiter.