Draußen wartet das Taxi.
Aufgeregt steigt
Claudia ein. „Zum Flughafen“, sagt sie und beginnt dem Fahrer von ihrem
Urlaub zu erzählen. Fünf Wochen hat sie Urlaub bekommen. Für sie eine
unvorstellbar lange Zeit. Seit über zehn Jahren war ein Urlaub nicht
mehr drin und nun ist sie auf dem Wege in die Domrep. All inklusive hat
sie gebucht und sie freut sich schon auf die Drinks am Pool.
Das Taxi
erreicht den Flughafen und Claudia steigt aus, während ihr der Fahrer
noch einen schönen Urlaub wünscht.
Claudia geht
durch den Zoll zum Abflugterminal.
Ihr Chef geht
ins Büro.
Ihn begleiten
zwei Männer von der Bank.
Hinter ihm
schließt sich die Bürotüre.
Hinter Claudia
schließen sich die Flugzeugtüren.
Die Maschine
hebt ab. „In zwölf Stunden bin ich im Land meiner Träume“, denkt sie und
lehnt sich entspannt zurück.
Ihr Chef ist
alles andere als entspannt. Die Männer mit denen er sich
auseinandersetzt haben ernste Gesichter. Der Chef weiß, daß es um seine
Existenz geht.
Draußen im
Betrieb sind seine Angestellten und für die trägt er die Verantwortung.
„Ich kann doch
nicht einfach den Laden dicht machen“, sagt er zu einem der Männer, aber
der erwidert ihm nur mit einem Achselzucken. „ Ist da wirklich nichts
mehr zu machen?“, fragt er weiter, aber auch diesmal kommt keine
Antwort. Die Zahlen sprechen für sich und eigentlich ist es dem Chef
klar, dennoch hofft er auf ein Wunder und auf das Entgegenkommen seiner
Bank.
Claudia indes
kommt der Kellner entgegen und auf seinem Tablett, welches er gekonnt
jongliert, serviert er ihr einen der besten Drinks, die das Luxushotel
zu bieten hat. „Ach was geht es mir gut“, denkt Claudia und nimmt mit
einem Lächeln das Glas entgegen. Ihre Gedanken sind weit entfernt von
zuhause und sie genießt den Luxus um sich herum. „So viele Menschen
sorgen sich um mein Wohlergehen“, sagt sie zu sich, „ daß ich glauben
könnte zu träumen.“ Es fehlt ihr an nichts. Alles ist da. Die Tische
sind immer gut gedeckt und für Getränke ist in Hülle und Fülle gesorgt.
Ganz anders ist
es zuhause. Die Auftragsbücher sind leer und die Kassen auch. Die Bank
verwehrt dem Chef einen neuen Kredit und er weiß, daß er nun am Ende
ist. Alle Ressourcen sind ausgeschöpft und er muß dem Konkurs in die
Augen sehen, ob er will oder nicht. „Was wird nur aus meinen
Mitarbeitern“, fragt er sich und er weiß, daß es auf diese Frage nur
eine Antwort geben kann – Entlassung. Vier Wochen hat er noch und dann
ist entgültig Schluss.
Vier Wochen
liegen noch vor Claudia und die will sie zur Erholung nutzen, damit sie
dann wieder voll in ihre Arbeit einsteigen kann. „Hab mir den Urlaub
redlich verdient“, sagt sie sich und bestellt sich einen weiteren Drink.
„Das haben meine
Mitarbeit nicht verdient“, sagt sich der Chef, als er sich auf den
beschwerlichen Weg macht um den Mitarbeitern die Wahrheit zu sagen. Alle
sind geschockt. Es herrscht schweigen. Keiner wagt zu fragen, was nun
aus ihnen werden soll. Sie wissen es.
In vier Wochen
stehen sie auf der Straße.
Claudia steht
auch auf der Straße.
Neben sich ihre
Koffer, gepackt für den Heimflug.
Gut erholt und
ausgeruht wartet sie auf das Flugzeug. Sie freut sich auf ihre Kollegen
und den Job. Sie freut sich darauf ihnen von ihrem traumhaften Urlaub
erzählen zu können. Sie kann es kaum erwarten. So lange war sie noch
niemals aus dem Betrieb.
Ihre Maschine
kommt.
Sie fliegt heim.
Angespannt und
voller Unruhe geht der Chef am Flughafen auf und ab. „Wie sag ich`s
ihr“, denkt er sich und er wünscht sich im Stillen, daß die Maschine
Verspätung hat. Das Terminal jedoch zeigt unerbittlich an, daß das
Flugzeug pünktlich gelandet ist.
Mit schwerem
Schritt geht er zum Gate und erwartet Claudia.