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Wie sagt man so
schön: Wenn die Generalprobe ins Wasser fällt, wird die Premiere ein
voller Erfolg.
Und was
passiert, wenn die Generalprobe ohne größere Zwischenfälle verläuft?
Als der Wecker
am Sonntagmorgen um 7:30 Uhr rappelte, war ich schon seit etwa einer
Stunde hellwach. In meinem Kopf summte ich das Lied, das mich den
ganzen Tag verfolgen sollte: |
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Man ruft nur
Flipper, Flipper, gleich wird er kommen,
jeder kennt ihn
– den klugen Delfin.
Wir riefen
Flipper, Flipper, den Freund aller Kinder,
Große nicht
minder, lieben auch ihn.
Ich habe keine
Ahnung, wann ich dieses Lied zum letzten Mal gehört habe, aber ich
sollte es noch abends, als ich völlig erschlagen zu Bett ging,
weitersummen.
Vielleicht kann
mir ein (Hobby-) Seelenklempner verraten, was mich da geritten hat.
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Die Gruppe
wollte sich um 9:30 Uhr in der Garderobe der Neandertalhalle in
Mettmann treffen und wir - mein Fanclub und ich - waren pünktlich um
9:29 Uhr dort. Nicht in der Garderobe, aber dafür in der Halle.
Kurzentschlossen
sprach ich die nächste, wichtig aussehende Person an, die mich
sogleich ins Schlepptau nahm: „Ach Frau Helfferich! Kommen Se ma mit!“
Wie ein
aufgedrehter Kreisel jagte sie zu einer gigantischen Bühne: "Hier
sollten Se noch einen Tisch hinstellen, Frau Helfferich. Die Bühne
kann schon recht groß werden." Während ich noch überlegte, wo ich auf
die Schnelle einen Tisch herzaubern sollte, kreiselte sie schon
weiter. |
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Es ging hinter
die Bühne zu abgeteilten Umkleideräumchen: "Hier irgendwo müsste Ihre
Garderobe sein. Warten Se hier! Nein, kommen Se besser mit. Oder? Ach,
folgen Se mir einfach. Sie sind nicht Frau Helfferich? Macht nichts.
Wo ist denn Frau Helfferich? Sie doch, nein? Okay!"
Ich war völlig
verwirrt. Doch am Ende zeigte sie mir einen Raum, in dem sich kleine
Mädchen in bunten Kleidchen tummelten und meinte: "Sie dürfen die
halbe Garderobe nutzen."
Wozu nur?
Immerhin waren
in dem Raum Bänke. Ob wir eine mit zur Bühne nehmen und als Tisch
nutzen konnten? |
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Sie kreiselte
weg; es war mittlerweile 9:42 Uhr - niemand Bekanntes zu sehen.
Aufgrund meines fehlausgebildeten Orientierungssinns geriet ich
langsam in Panik: Ob ich die Bühne jemals wieder finden würde?
Glücklicherweise kam mir auf halbem Weg eine Mitstreiterin entgegen,
die angekündigt hatte, dass sie vielleicht sehr spät kommen würde:
Lore.
Gemeinsam fanden
wir die Bühne, vor der ich meinen Fanclub platziert hatte, der
sogleich den Saal mit tosendem Applaus füllte. Ich wollte in den
Brettern, die die Welt bedeuten, einfach nur versinken.
Lore gab
allerdings zu bedenken, dass wir vielleicht auf der falschen Bühne
warteten: Bei der Generalprobe standen Stühle in einer Reihe und wir
hatten ein gedachtes Mikrofon.
Hier wurde
gerade ein Piano gestimmt. |
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Also eilten wir
zu einer anderen Bühne - und da sah ich von hinten den rotblonden
Haarschopf unserer Dozentin: "PIA!!!" Gerettet…
Nach und nach
trudelten all die Stars des Morgens ein.
Bedächtig wurden
vor der Bühne die ersehnten Stühle und das Mikrofon aufgebaut. Ein
wenig Anspannung fiel von mir ab. |
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Dann war er
plötzlich da, der große Moment.
Ein fremder Mann
kündigte uns an.
Pia hieß unsere
Zuhörer auf der Kulturmesse willkommen und übergab das Wort an Karin
Pieth.
Sie beantwortete
mit ihren lustig-schrägen Kurzgeschichten teilweise wahrheitsgetreu
Fragen wie: Wo liegt Velbert überhaupt und wieso heißt Velbert
eigentlich Velbert? Was an Velbert ist lila? |
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Danach klärte
ich auf, wieso Velbert einst Feldbrahti hieß und knüpfte diese
historische Tatsache an ein Problem unserer Zeit. Oder gab es dieses
Problem schon damals?
Zwar hatte ich
meinen Text mittlerweile so oft gelesen, dass er mir fast langweilig
vorkam. Dennoch schien er dem Publikum zu gefallen. Mein erster Satz
ließ sie verblüfft schauen, hin und wieder schnappte ich amüsiertes
Schmunzeln und verhaltenes Kichern auf und am Ende lachten und
applaudierten sie.
Wider Erwarten
habe ich nicht gestottert. |
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Lore Loock,
unsere Prominente, die bereits diverse Radioauftritte gemeistert hat,
stimmte das Publikum mit ihrem "Lächeln" ein. Es folgten ausgewählte,
zu verschiedenen Themen liebevoll gestaltete Gedichte. Unter anderem
war da eine erste Liebeserklärung, die sicher so mancher Mann
unterzeichnen würde und eine zweite an eine Lesebrille, die selbst
reine Sonnenbrillenträger nachvollziehen können. |
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Kerstin Masuch
nahm uns mit an einen Ort, den wir alle schon oft gesehen haben: Eine
Haltestelle. Sie ließ uns an einer Reise teilhaben, deren Ausgang
zwiespältig ist. Obwohl ich diese Geschichte von ihr schon zum dritten
Mal gehört habe, lief mir auch diesmal wieder ein Schauer über den
Rücken. |
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Zu guter Letzt
ließ Ulrich Schuster uns in einer Kneipe mitten in Heiligenhaus zwei
ältere Herren belauschen, die sich über die großen Rätsel unserer Zeit
unterhielten.
Die beiden Käuze
brachten das Publikum zum Brüllen mit einer beinahe wahren
Kriminalgeschichte mit Gangstern und Models mitten in Heiligenhaus.
Man hätte sich
kein besseres Ende unserer Vortragsreihe wünschen können. |
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Das Publikum war
außer sich vor Begeisterung.
Alles in allem
bin ich der Meinung, dass wir zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Wir hätten um 20
Uhr auf der großen Bühne mit Orchesterbegleitung lesen sollen.
Das hätte der
Qualität unserer Darbietung genüge getan.
Man ruft nur
Flipper, Flipper, gleich wird er kommen … |
| Text: Sandra Thulke
Fotos: |
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