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Lesung am 29. Oktober 2006 auf der Mettmanner Kulturbörse

Wie sagt man so schön: Wenn die Generalprobe ins Wasser fällt, wird die Premiere ein voller Erfolg.

Und was passiert, wenn die Generalprobe ohne größere Zwischenfälle verläuft?

Als der Wecker am Sonntagmorgen um 7:30 Uhr rappelte, war ich schon seit etwa einer Stunde hellwach. In meinem Kopf summte ich das Lied, das mich den ganzen Tag verfolgen sollte:

 
 

Man ruft nur Flipper, Flipper, gleich wird er kommen,

jeder kennt ihn – den klugen Delfin.

Wir riefen Flipper, Flipper, den Freund aller Kinder,

Große nicht minder, lieben auch ihn.

Ich habe keine Ahnung, wann ich dieses Lied zum letzten Mal gehört habe, aber ich sollte es noch abends, als ich völlig erschlagen zu Bett ging, weitersummen.

Vielleicht kann mir ein (Hobby-) Seelenklempner verraten, was mich da geritten hat.

 

Die Gruppe wollte sich um 9:30 Uhr in der Garderobe der Neandertalhalle in Mettmann treffen und wir - mein Fanclub und ich - waren pünktlich um 9:29 Uhr dort. Nicht in der Garderobe, aber dafür in der Halle.

Kurzentschlossen sprach ich die nächste, wichtig aussehende Person an, die mich sogleich ins Schlepptau nahm: „Ach Frau Helfferich! Kommen Se ma mit!“

Wie ein aufgedrehter Kreisel jagte sie zu einer gigantischen Bühne: "Hier sollten Se noch einen Tisch hinstellen, Frau Helfferich. Die Bühne kann schon recht groß werden." Während ich noch überlegte, wo ich auf die Schnelle einen Tisch herzaubern sollte, kreiselte sie schon weiter.

 
 

Es ging hinter die Bühne zu abgeteilten Umkleideräumchen: "Hier irgendwo müsste Ihre Garderobe sein. Warten Se hier! Nein, kommen Se besser mit. Oder? Ach, folgen Se mir einfach. Sie sind nicht Frau Helfferich? Macht nichts. Wo ist denn Frau Helfferich? Sie doch, nein? Okay!"

Ich war völlig verwirrt. Doch am Ende zeigte sie mir einen Raum, in dem sich kleine Mädchen in bunten Kleidchen tummelten und meinte: "Sie dürfen die halbe Garderobe nutzen."

Wozu nur?

Immerhin waren in dem Raum Bänke. Ob wir eine mit zur Bühne nehmen und als Tisch nutzen konnten?

Sie kreiselte weg; es war mittlerweile 9:42 Uhr - niemand Bekanntes zu sehen. Aufgrund meines fehlausgebildeten Orientierungssinns geriet ich langsam in Panik: Ob ich die Bühne jemals wieder finden würde? Glücklicherweise kam mir auf halbem Weg eine Mitstreiterin entgegen, die angekündigt hatte, dass sie vielleicht sehr spät kommen würde: Lore.

Gemeinsam fanden wir die Bühne, vor der ich meinen Fanclub platziert hatte, der sogleich den Saal mit tosendem Applaus füllte. Ich wollte in den Brettern, die die Welt bedeuten, einfach nur versinken.

Lore gab allerdings zu bedenken, dass wir vielleicht auf der falschen Bühne warteten: Bei der Generalprobe standen Stühle in einer Reihe und wir hatten ein gedachtes Mikrofon.

Hier wurde gerade ein Piano gestimmt.

 
 

Also eilten wir zu einer anderen Bühne - und da sah ich von hinten den rotblonden Haarschopf unserer Dozentin: "PIA!!!" Gerettet… 

Nach und nach trudelten all die Stars des Morgens ein.

Bedächtig wurden vor der Bühne die ersehnten Stühle und das Mikrofon aufgebaut. Ein wenig Anspannung fiel von mir ab.

Dann war er plötzlich da, der große Moment.

Ein fremder Mann kündigte uns an.

Pia hieß unsere Zuhörer auf der Kulturmesse willkommen und übergab das Wort an Karin Pieth.

Sie beantwortete mit ihren lustig-schrägen Kurzgeschichten teilweise wahrheitsgetreu Fragen wie: Wo liegt Velbert überhaupt und wieso heißt Velbert eigentlich Velbert? Was an Velbert ist lila?

 
 

Danach klärte ich auf, wieso Velbert einst Feldbrahti hieß und knüpfte diese historische Tatsache an ein Problem unserer Zeit. Oder gab es dieses Problem schon damals?

Zwar hatte ich meinen Text mittlerweile so oft gelesen, dass er mir fast langweilig vorkam. Dennoch schien er dem Publikum zu gefallen. Mein erster Satz ließ sie verblüfft schauen, hin und wieder schnappte ich amüsiertes Schmunzeln und verhaltenes Kichern auf und am Ende lachten und applaudierten sie.

Wider Erwarten habe ich nicht gestottert.

Lore Loock, unsere Prominente, die bereits diverse Radioauftritte gemeistert hat, stimmte das Publikum mit ihrem "Lächeln" ein. Es folgten ausgewählte, zu verschiedenen Themen liebevoll gestaltete Gedichte. Unter anderem war da eine erste Liebeserklärung, die sicher so mancher Mann unterzeichnen würde und eine zweite an eine Lesebrille, die selbst reine Sonnenbrillenträger nachvollziehen können.

 
 

Kerstin Masuch nahm uns mit an einen Ort, den wir alle schon oft gesehen haben: Eine Haltestelle. Sie ließ uns an einer Reise teilhaben, deren Ausgang zwiespältig ist. Obwohl ich diese Geschichte von ihr schon zum dritten Mal gehört habe, lief mir auch diesmal wieder ein Schauer über den Rücken.

Zu guter Letzt ließ Ulrich Schuster uns in einer Kneipe mitten in Heiligenhaus zwei ältere Herren belauschen, die sich über die großen Rätsel unserer Zeit unterhielten.

Die beiden Käuze brachten das Publikum zum Brüllen mit einer beinahe wahren Kriminalgeschichte mit Gangstern und Models mitten in Heiligenhaus.

Man hätte sich kein besseres Ende unserer Vortragsreihe wünschen können.

 
 

Das Publikum war außer sich vor Begeisterung.

Alles in allem bin ich der Meinung, dass wir zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Wir hätten um 20 Uhr auf der großen Bühne mit Orchesterbegleitung lesen sollen.

Das hätte der Qualität unserer Darbietung genüge getan.

Man ruft nur Flipper, Flipper, gleich wird er kommen …

Text: Sandra Thulke

Fotos:

 
   









 

Rebecca Folb

Lore Loock

Kerstin Masuch

Karin Pieth

Mathias Schaffner

Ulrich Schuster

Sandra Thulke

Angelika Klucken

Pia Helfferich


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